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Mal rauskommen: Literarische Entdeckungen im Oderbruch

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31. Mai 2015 von

Das Pfingswochenende war wieder eine gute Gelegenheit, mal wegzukommen aus den eigenen vier Wänden. Diesmal kommt die Entdeckung von Rebecca, die mit mir eine Behausung und viel Enthusiasmus für Literatur teilt. Ihre (leider) seltenen Blogbeiträge auf dem eigenen Blog sind definitiv auch einen Besuch wert!

Wer denkt, dass es abseits von Potsdam nichts Kulturelles in Brandenburg gibt, der hat weit gefehlt. Auf den Spuren Theodor Fontanes weilend, entdeckten wir bei unseren Fahrradtouren den ehemaligen Sitz der Friedländer Frauen in Kunersdorf.


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Mal rauskommen: Till Richter Museum

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23. Mai 2015 von

Der Feiertag der letzten Woche war wieder mal die Gelegenheit, sich ins Auto zu setzen und den Tag irgendwo in Vorpommern zu vertrödeln. Die Vorbereitung lief wiederum recht ungeplant über die Webseite Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern, die ein wahrer Schatz ist. Eigentlich wollten wir Geocachen und ein paar verfallene Häuser besuchen. Aber dann dachten wir: Ein bisschen Kunst geht immer und machten uns auf den Weg nach Buggenhagen zum Till-Richter-Museum, das nach eigener Aussage das einzige Museum für Zeitgenössische Kunst in ganz Mecklenburg-Vorpommern ist.




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Kurzrezension: Angelika Klüssendorf - April

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2. April 2015 von

Angelika Klüssendorf war mir bisher unbekannt, bis "April" auf der Longlist des Deutschen Buchpreises erschien. Ich habe es vor einigen Monaten spontan gekauft und dann innerhalb kürzester Zeit gelesen. So viel Trotz und Machtlosigkeit auf so wenigen Seiten habe ich schon lange nicht mehr erlebt und es war eine Freude, immer weiter zu lesen. "April" ist kein DDR-Roman, denn die Kulisse ist eigentlich fast schon egal. Im Mittelpunkt steht diese junge Frau, deren Leben kein Zuckerschlecken war (der Vorgänger "Das Mädchen" gibt Aufschluss) und auch noch immer nicht ist. Es ist ein ewiger Kampf mit sich selbst und mit anderen, den die Autorin hier präsentiert. In knapper Sprache und auf recht wenig Raum passiert viel und es passiert direkt. "April" ist ein Buch, das man mehrfach lesen kann.


Christian Kracht - Imperium

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4. Oktober 2014 von

via Fischer
Als Imperium erschien, ging das und auch die folgende Debatte ganz an mir vorbei. Erst jetzt, 2 Jahre nach seinem Erscheinen habe ich diesen Roman gelesen. Und dann habe ich ihn noch einmal gelesen. Und mich gewundert - über Georg Diez, der mit "Die Methode Kracht" eine Rezension im Spiegel geschrieben hat, die ich so gar nicht nachvollziehen kann (und nicht nur ich, wie es scheint). Dietz wirft Kracht eine antisemitische Grundhaltung vor und dass er "antidemokratische Inhalte in den Mainstream" brächte. Interessanterweise ist es aber gar nicht mal so sehr Imperium als Roman, auf dem Dietz seine Argumentation aufbaut, sondern vielmehr klaubt sich der Autor aus allen Veröffentlichungen Krachts zusammen, was ihm passt. Allerdings übersieht er dabei etwas Entscheidendes: die Ironie, die so viel in den Romanen von Kracht ausmacht und die mit großer Vorsicht zu genießen ist, denn auch bei Kracht hat sie einmal ein Ende.

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Goethe! In Bildern!

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27. September 2014 von

via amazon
Graphic Novels sind für mich ein neues Ding. Bis auf eine Ausnahme haben sie mich nie interessiert (Neil Gaimans Sandman Slim). Vor einigen Monaten waren Graphic Novels, die sich mit Kulturschaffenden auseinandersetzen Thema im Literaturmagazin meiner Wahl, das diesen Büchern gleich mehrere Seiten einräumte. Neben der Graphic Novel zu Goethes Leben wurden auch einige andere erwähnt, so beispielsweise Johann Ulrichs Munch.

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Daniel Kehlmann - F

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13. Juni 2014 von

via Rowohlt
Schon eine ganze Weile lag Kehlmanns Roman auf meinem Stapel und hat darauf gewartet, dass ich endlich bis zu ihm vordringe. Letzte Woche endlich habe ich es auch geschafft und innerhalb von wenigen Tagen war's auch schon wieder vorbei. Kehlmann liest sich eben wie Kehlmann und nicht wie Clemens Meyer, an dessen Als wir träumten ich wochenlang herumlas. Eine einfache Sprache, die in ihrer Einfachheit jedoch bei weitem nicht ungeschickt ist, lässt den Leser geradezu dahingleiten. Die Handlung ist bei genauerer Betrachtung gar nicht so umfangreich - interessant ist stattdessen Kehlmanns Versuch, sie aus mehreren Perspektiven wieder aufzugreifen, noch einmal zu erzählen und so die Verstrickungen zwischen den Figuren offenzulegen und eben auch ihr Schicksal, das vom Handeln anderer abhängig ist.

Die drei Brüder Martin, Ivan und Eric sind interessante Figuren, die in ihrer jeweiligen Persönlichkeit so unterschiedlich sind, dass kaum Langeweile aufkommen kann. Jeder von ihnen kämpft mit seinen eigenen Dämonen, sei es der ewige Zweifel am eigenen Glauben, Paranoia oder ein Doppelleben, dass sich im Fall der Zwillinge Ivan und Eric hier noch in einer weiteren Dimension auftut. Über allem steht der abwesende Vater Arthur Friedland, der Auslöser für die Ereignisse ist. Sie alle verbindet jedoch eines: Sie sind Lügner, sie sind Heuchler und auch Feiglinge.

Trotz allem bleibt F für mich ein distanziertes Buch. Man kann dem Autor kaum etwas vorwerfen, stilistisch ist es sehr gut, wie alles, was Kehlmann schreibt. Und dennoch fehlt mir ein letzter Funken, der einfach nicht überspringen möchte. Alles erscheint so in sich geschlossen und so autark, dass sich ein Leser wie ein Eindringling fühlt. Man steht am Rand des Geschehens, bekommt alles serviert und realisiert die Heftigkeit so mancher Szenen aufgrund ihrer Geschliffenheit erst sehr viel später. Ein wenig mehr Rotz hätte der Sache vielleicht gut getan.

An dieser Stelle noch ein Zitat, dass mir geblieben ist:
Die Lichter der U-Bahn schrumpfen, werden zu einem einzigen Fleck und verlöschen. Die Schönheit braucht keine Kunst, sie braucht auch uns nicht, sie braucht keine Betrachter, im Gegenteil. Gaffende Leute nehmen ihr etwas weg, am hellsten flammt sie, wo keiner sie sieht: weite Landschaften ohne Häuser, die Wolkenspiele des frühen Abends, das verwaschene Rotgrau alter Ziegelmauern, kahle Bäume im Winternebel, Kathedralen, das Abbild der Sonne in einer Ölpfütze, die Spiegeltürme der Insel Manhattan, der Blick aus einem Flguzeugfenster, kurz nachdem man durch die Wolkendecke gestoßen ist, die Hände alter Menschen, das Meer zu jeder Tageszeit und menschenleere U-Bahn-Stationen wie diese - das gelbe Licht, das Zufallsmuster der Zigarettenstummel auf dem Boden, die abblätternden Plakate, noch immer flatternd im Fahrtwind, obwohl der Zug schon lange verschwunden ist.


#4: Damn this Book!

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4. April 2014 von

Everyone has them - books you should read or you want to read, but it seems you can never read them to the end. Today I'm telling you my (nightmarish) stories about some books that are doomed.

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#2 Building The Wall, Breaking The Wall: East-German Life and Literature

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2. April 2014 von

via wikipedia.
In this post we will have a look at the East-German literature between 1950 and 1989. The gap between the nations is still felt today and I will present some authors, who published novels about life in the GDR in the recent years.

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Ein Ort an der Ostsee: Hans Werner Richter

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6. März 2014 von

Hans Werner Richters Geschichten aus Bansin standen ja schon lange auf meiner Wunschliste und ich hatte das Glück, dass mir dieses Buch vor einiger Zeit vo freundlichen Menschen geschenkt worden ist. Weil mein Stapel ungelesener Bücher allerdings bald meine Körperhöhe erreicht hat, dauert es immer länger, bis ich endlich an solche kleinen erholsamen Geschichten herankomme zwischen all den dicken, langen, schweren Erzählungen großer und kleinerer Autoren. Jetzt aber endlich war es zwischen Clemens Meyer und Wolfgang Vulpius (ja genau, diese Famile Vulpius) Zeit, sich mal eine regionale Auszeit zu gönnen.

Richter erzählt in mehreren kurzen Geschichten vom Leben in Bansin - vom Kaiserrreich bis zum Sozialismus. Einerseits ist es auch eine Geschichte des Ortes, wenn er dabei aufzählt, in welcher Zahl die Badegäste zugenommen haben und wie sich die Hotellandschaft verändert. Andererseits stehen oft eben auch die alltäglichen Dinge der Einwohner im Vordergrund. Richter erzählt von den Fischern und wie sein Vater ihn mitnahm, von der zweiten Einkommensquelle der Familie in Form einer Tankstelle und Chauffeursunterkünften und vom Bansin des Sozialismus.

Insgesamt ist es ein nettes Buch für zwischendurch. Die Geschichten sind kurz genug für ein kleines Schmunzeln zwischen anderen Tätigkeiten (ich lese es zur Entspannung zwischendurch in der Bibliothek beim Arbeiten), aber sie sind keine literarischen Glanzpunkte.


Am Ende bleibt ein bisschen Leere: Clemens Meyer - Im Stein

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2. März 2014 von

via Fischer
Ich habe eine gefühlte Ewigkeit an Clemens Meyers Roman Im Stein gelesen. Genau betrachtet hab ich doch nicht so lange gebraucht, wenn man bedenkt, was ich nebenher noch alles geschafft und gelesen habe. Aber Herr Meyer verlangt eben Zeit. Und Geduld. Ich habe oft zurückgeblättert und war immer wieder versucht mit kleine Randnotizen mit dem Bleistift zu machen. Leider war es nicht mein Exemplar, deswegen habe ich mich doch zusammengerissen und es sein gelassen.

Schon in meinem letzten Post zu diesem Roman hatte ich ja einiges erzählt von dieser Lektüre, die wirklich manchmal eine Tour de force war. Im letzten Drittel des Romans zog es sich etwas in die Länge und im Nachgang denke ich: Warum also nun dieses und jenes Kapitel? Welchen Sinn sollte das ergeben? Habe ich etwas überlesen? 
Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass ich etwas überlesen habe, nicht etwas, eher vieles. Nach dem Kapitel mit dem hübschen Titel "Tote Taube in der Flughafenstraße" war ich sehr aufgebracht - und mir war etwas übel. Ich kann mir so viele Dinge so bildlich vorstellen. Dann schmeckt der Kaffee plötzlich auch irgendwie nach verbrannten Bohnen und man mag ihn nicht mehr trinken. Auch ein gewisses Kapitel, in dem das Lustige Taschenbuch eine nicht unerhebliche Rolle spielt, habe ich zu einem wirklich falschen Tageszeitpunkt gelesen.

So viele Stimmen, so viel Gewalt, Leid, Drogen, Machenschaften und so wahnsinnig viel Menschlichkeit. Das ist jetzt schon eines der Bücher, die ich wieder lesen werde. Es ist gut, es ist fantastisch geschrieben, hart, gemein, hinterhältig - eben so, wie das Leben an der grauen Grenze des Gesetzes wohl ist.


Ein ganzer Monat Clemens Meyer

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13. Februar 2014 von

Da wollte ich eigentlich schon längst etwas geschrieben haben, über Im Stein von Clemens Meyer. Aber nein, ich habe dieses Buch noch immer nicht bis zum Ende gelesen, sondern stecke mittendrin fest und komme nur langsam voran. Das liegt nicht nur daran, dass Im Stein keine leichte Lektüre für die halbe Stunde vor dem Schlafengehen ist, sondern auch an meinem Studium (jaha, sie studiert immer noch - ein Abschluss hat ja noch nicht gereicht...).

Weil mein Blog aber nicht ganz brach liegen soll, gibt es hier eine Auflistung, welche Dinge noch dazu führen, dass mein Lesetempo schneckengleich ist:

1. Sympathie für den Autor

Im letzten Jahr war ich auf einer Lesung von Clemens Meyer. Die ist mir noch deutlich im Gedächtnis, denn Herr Meyer ist ein sympatischer Mensch. Aber sein Buch ist es nicht - wie auch, bei dieser Thematik. 
Um Im Stein aber gerecht bewerten zu können, muss ich in meinem Kopf etwas tun, was schon mal propagiert worden ist: Ich töte den Autor. In meinem Kopf natürlich. Bevor ich lese, trenne ich mich von meinem Bild vom Autor, denn das schlägt sonst quer. In diesem Fall hat es etwas gedauert...

2. Der richtige Zeitpunkt

Im Stein ist, wie bereits erwähnt, kein leichtes Buch. Es ist große Schreibkunst - das steht für mich schon fest. Nur wann genau am Tag ist der richtige Zeitpunkt um einen Roman zu lesen, der Prostitution als ökonomisches Problem, als Routinearbeit, als abstoßenes Zwischenmenschliches darstellt? Das kann ich nicht irgendwo zwischen Aldous Huxley und Aufsätzen über postkoloniale Ansätze machen. Ich muss mich frei machen von all den anderen Dingen und Im Stein meine Aufmerksamkeit widmen. Jetzt mache ich das nachmittags. Setze mich hin mit einer Tasse Kaffee. Mache meinen Computer aus, die Musik auch. Und lese, manchmal 10 Minuten, manchmal eine Stunde.

3. Überwinde die Abscheu!

Das ist vielleicht das Schwierigste bei der Lektüre dieses Buches. Manchmal muss ich es weglegen, denn hier begegnen mir Figuren, die so abstoßend sind, dass sie mich wütend machen. Oder einen Würgereiz auslösen. Ecki ist so einer. Dieser Sympathieträger macht eine Radiosendung mit dem schönen Titel "Eckis Edelkirsch", denn Ecki hatte sie alle und Ecki kennt auch die neuesten Prostituierten in der Stadt. Ein Kapitel voller Monolog, voller Freierfantasien, obszöner Wortspiele und so sexistisch, dass ich 2 Tage Abstand brauchte. Und ich bin nun nicht so zart besaitet.
Sobald sich bei der Lektüre ein Gefühl von Sicherheit oder Wohlbefinden einstellt, seid vorsichtig, denn lange kann das nicht anhalten. Gelegentlich reicht schon ein einziger Satz aus, um klarzustellen, dass es sich bei Im Stein wahrlich nicht um einen Komfortzonenroman handelt.

Ein großartiges Buch. Gebt mir noch einen Monat.


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